Freitag, 26. Februar 2010

Das Herz der Nacht - Ulrike Schweikert

Das Herz der Nacht
Ulrike Schweiert
, Oktober 2009
Egmont Lyx, ISBN: 978-3802582233
Seiten: 478





Über die Autorin:

Ulrike Schweikert wuchs in Schwäbisch Hall auf. Nach einer Banklehre studierte sie Geologie und Journalismus und begann nebenher an ihrem ersten historischen Roman zu schreiben. Inzwischen hat Ulrike Schweikert das Schreiben zu ihrem Beruf gemacht.


Klappentext:

Wien im 19. Jahrhundert. Auf den prunkvollen Bällen am kaiserlichen Hof wird der Vampir András Báthory von den Damen umschwärmt. Doch ihn verlangt es nach geistreicher Unterhaltung, wie er sie in den Gemächern der klugen Gräfin von Traunstein findet. Dort lernt er die hübsche Pianistin Karoline kennen und beginnt, bei ihr Unterricht zu nehmen. Doch Karoline hütet ein dunkles Geheimnis. Da wird die Gräfin von Traunstein ermordet aufgefunden, und alles deutet darauf hin, dass in der Stadt ein weiterer Vampir sein Unwesen treibt. Er scheint es auf Báthory abgesehen zu haben und auf alle, die ihm nahe stehen.


Auglia' Rezension:

Ulrike Schweikert, bekannt durch viele historische Romane, schafft es zur Zeit ihre Leser mit den fantastischen Wesen der Vampire zu begeistern. Die Reihe der Erben der Nacht mit den Bänden "Nosferas", "Lycana" und "Pyras" ist ein großer Erfolg und das nicht nur bei den jüngeren Lesern, der nächste Band mit dem Titel "Dracas" erscheint im Herbst dieses Jahres. Auch die Bücher um Peter von Borgo "Der Duft des Blutes" und "Feuer der Rache" beschäftigen sich mit den Wesen der Nacht.

Auch in "Das Herz der Nacht" geht es um Vampire. Angesiedelt ist die Geschichte im des 19. Jahrhunderts und erzählt von geheimnisumwobenen Graf András Petru Báthory. Dieser hat seine ehemalige Heimat Siebenbürgen verlassen und ist nach Wien gereist. Wieso er seine Heimat verlassen hat, erfährt der Leser später im Buch. Mitgekommen ist sein stummer Diener, der im stets treue Dienste erweist. Der Graf versucht sich hier ein angenehmes Leben zu machen und begegnet dabei auch Fürstin Therese von Kinsky, der er zu Beginn gleich seine Talente in Bezug auf das Beherrschen von Pferden zeigt. Damit rettet er ihr das Leben. Nach und nach freunden sich die beiden an, sehr zum Missfallen des Ehemanns von Therese.

Schließlich lernt er auch noch eine junge und sehr begabte Pianistin kennen, bei Karoline möchte er Klavierstunden nehmen auf Empfehlung von Therese. Karoline verbirgt, wie auch der Graf, der immer nur nachts Unterricht nehmen möchte (er ist ein Vampir), ein Geheimnis: Sie hat eine blinde Tochter, die Sophie. Doch so ganz kann András das Klavierspielen nicht genießen, denn es geschehen immer mehr Morde bei denen stets junge Frauen umgebracht werden. Der sonderbare Graf gerät sogleich ins Visier der Ermittler. Irgendetwas muss er mit den Morden zu tun haben. Eine Tages schließlich entdeckt Andras Blutspuren vor seinem Anwesen, die ihn zu einer weiteren Leiche führen, dann findet sich sogar das Tatwerkzeug, eines seiner Messer, blutig auf seinem Anwesen. Es scheint, als ob der Mörder mit András spielen wolle...

Der Spielort der Geschichte ist interessant gewählt. Das Wien im 19. Jahrhundert hat viele eindrucksvolle Schauplätze zu bieten. Generell haben Fantasy-Romane, die in der Vergangenheit etwas Eigenes, etwas, das dem Leser länger im Gedächtnis bleibt. Ulrike Schweikert ist eine spannende Mischung zwischen einen historischen Roman und eine Fantasy-Roman gelungen. Die fantastischen Elemente sind gelungen in die Geschichte mithineingestrickt. Dennoch hätte man noch mehr Wert auf historische Details legen können. Natürlich fehlt im Buch die Romantik auch nicht, sodass eine Vielzahl unterschiedlicher Leser ihre Freunde an dem Buch haben können und werden.

Der Schreibstil der Autorin ist wie gewohnt flüssig und sehr angenehm zu lesen. Die Autorin vermag es den Leser durch ihre Sprache zu fesseln. Dennoch ist das Buch eher als leichte Kost für Zwischendurch zu bezeichnen, was aber nicht unbedingt negativ ausgelegt werden muss.

Die Schilderungen des historischen Wiens sind an mir etwas vorbeigegangen, was von vielen als wirklich toll und authentisch erwähnt wird. Aber die Atmosphäre bei den Bällen, dem Schlittenturnier etc. war toll. Das Gefühl kommt zum Leser durch, er fühlt sich während des Lesens in diese Zeit versetzt und hat die Möglichkeit von Anfang an in die Geschichte abzutauchen.

Die Charaktere waren interessant, wenn auch nur András wirklich hervorstach. Er wirkte lebendig und authentisch. Die anderen Protagonisten "laufen eher so neben her" und bleiben etwas farblos bzw. eindimensional. Lediglich Sophie, das blinde Mädchen, kann noch mit András mithalten, erhält Lebendigkeit und ist detailliert ausgearbeitet. Normalerweise ist man da von Ulrike Schweikert Anderes gewohnt, aber da vermutlich András im Mittelpunkt stehen soll, hat sich sich ganz auf ihn fixiert. Seine geheimnisvolle Aura, das Gefährliche, aber auch teilweise das Fürsorgliche in Bezug auf Sophie hat die Autorin sehr gut dargestellt.

Langweilig wird dem Leser bei der Lektüre von "Das Herz der Nacht" sicherlich nicht, denn sollte er sich einen Augenblick in Sicherheit wägen, geschieht schon der nächste Mordfall. So wird die Spannung immer konstant hochgehalten, aber dennoch fehlte an manchen Stellen das Gefühl unbedingt weiterlesen zu müssen.

Ulrike Schweikert ist mit dem Buch "Das Herz der Nacht" eine interessante Mischung gelungen. Absetzten tut es sich insofern von anderen Vampirbüchern, da es in der Vergangenheit spielt und einen Vampir beschreibt, der nicht der typische Vampir ist. Er ist geheimnisvoll, gefährlich und eben doch auch böse. Man könnte ihn als den klassischen Vampir bezeichnen im Gegensatz zu den neumodischen Vampire.

Negativ wäre Folgendes zu erwähnen: Anfangs beginnt die Geschichte etwas zäh und ist auch langatmig, der Handlungsstrang mit Therese, die dem Leser nach langer Zeit wirklich ans Herz gewachsen ist, endet abrupt und viel zu schnell. Das ist wirklich schade, denn eigentlich hatte ich schon eine wichtige Rolle. Sicherlich hätten sie viele Leser gefreut mehr von ihr zu lesen.

Die Covergestalung ist ebenfalls sehr gelungen. Sie ist schlicht in den drei Farben schwarz, rot weiß gehalten und wirkt einfach sehr edel.

Diejenigen Leser, die die Reihe um Peter von Borgo noch nicht gelesen haben, werden durch die Lektüre von "Das Herz der Nacht" einen Anreiz dazu bekommen. Denn als András nach Hamburg reist nennt er sich Peter von Borgo und spätestens jetzt klingelt es bei den Leser von "Der Duft des Blutes" und "Feuer der Rache", da heißt der Protagonist nämlich Peter von Borgo. Stellt also "Das Herz der Nacht" eine Art Vorgeschichte dar? Naheliegend wäre es durchaus.

Fazit: "Das Herz der Nacht" ist eine gelungene Mischung aus Fantasy, Krimi und History, die den Leser trotz ein paar Schwächen unterhaltsame Lesestunden bringen mag.

Ich vergebe 3,5 von 5 möglichen Sternen.


Ein herzlicher Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars geht an

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